Rundschreiben Erwerbsobstbau 7/2026

Symbolbild (KI-generiert)

Stuttgart, 15. Oktober 2026
Obstbau: Andreas Siegele Beratungsstelle für Obstbau

Termine

  • Sa. 14.11.: 9:30 – 12 Uhr: Weiterbildung Fachwarte/Fachberater im Lehrgarten Mühlhausen
  • Mi. 18. und Do. 19.11.: expoSE & expoDirekt Neue Messe Karlsruhe mit Steinobstforum und Spargeltag am 18. sowie Beerentechnik- und Strauchbeerenforum am 19.11. – weitere Infos unter www.expo-se.de/
  • Fr. 20.11.: Mitgliederversammlung des LVEO im SVLFG-Gebäude in S-Heslach

Lage

Mit der Ernte der allerletzten Apfelsorten neigt sich die diesjährige Obstsaison dem Ende entgegen. Und leider wieder das gewohnte Bild: Frost und schlechtes Wetter zur Blütezeit, dann mal wieder (viel) zu trocken und zu heiß mit teilweise heftigen Hitze- und Sonnenbrandschäden. Aber trotz allem ein befriedigender Ertrag in guter Qualität in allen Obstkulturen. Im unbehandelten (Streu-)Obstbau reduzierte sich der Ertrag erneut durch einen starken Apfelwicklerbefall (locker >60%!) in Verbindung mit Fruchtfäulen. Dazu noch ein ausgeprägter und dauerhafter Vorerntefruchtfall, so dass sich die Anlieferungen von (gutem, reifem) Mostobst deutlich nach unten reduziert haben.

Mäuseabwehr:

Es bleibt dabei – die einzige Konstante aus den letzten Jahren: die ordentliche Vermehrungsrate der Feldmäuse……
Anlagen auf Befall durch Feld- bzw. Wühlmäuse kontrollieren. Baumstreifen chemisch oder mechanisch offenhalten. Gras, Laub und Fallobst nochmals mulchen. Giftweizen (Zinkphosphid, z.B. Arvalin, Ratron) verdeckt in die Löcher oder in Köderstationen ablegen, nie offen auslegen. Dabei die Köderstationen nicht zu vollfüllen, da das austretende Gas die Mäuse eher abschreckt. Nach ca. 2 Wochen ist eine Nachkontrolle wichtig. Dabei die Mauslöcher zutreten, werden diese wieder geöffnet, so ist der Gang noch bewohnt und die Behandlung muss weitergeführt werden. Gegen Wühlmäuse entweder mit Fallen (z.B. TopCat, SuperCat) oder mit Ködern Zinkphosphid, z.B. Ratron Schermaus-Sticks), bzw. gasentwickelnden Pellets (z.B. Polytanol, Prontox – dazu ist aber eine gewisse Bodenfeuchte erforderlich…), die in den Gang abgelegt werden müssen, bekämpfen. Anwendungsvorschriften bitte genau beachten! Auch auf einen ausreichenden Wildverbissschutz (Zäune kontrollieren etc.) ist zu achten.

Pflanzenschutzmaßnahmen

Triebsucht: Bäume mit deutlichen „Hexenbesen“, vorzeitiger Herbstfärbung, vergrößerten und oft gezahnte Nebenblätter und z.T. nachblühend sind umgehend roden! Die Äpfel dieser Bäume sind meist kleiner, schlecht gefärbt und schmecken fade. Ebenfalls zu roden sind von Scharka oder ESFY befallene Zwetschgen, Pfirsich und Aprikosenbäume. Gerade an Aprikosen- und Pfirsichbäumen waren die Scharka-Symptome in diesem Jahr besonders auffällig und häufig. Das gleiche gilt für Kirschbäumen mit „Little-Cherry-Virus“: deutliche Kennzeichen sind rötlich verfärbte Interkostalfelder der Blätter und kleine, fade Kirschen bei der Ernte. Sollte es noch zu nass-kaltem Herbstwetter kommen, stehen zum Blattfall im Kern-/Stein- und Strauchbeerenobst dann noch Abschlussbehandlungen mit den entsprechenden Kupfermitteln gegen Holzpilze (Krebs, Valsa, Rotpustel…) und Pseudomonas an. Bei Erdbeeren Bandbehandlungen gegen Rote Wurzelfäule mit Aliette (1g/lfd m/100ml Brühe) oder Frutogard (4l/ha) bei Bodentemperaturen unter 8°C und ausreichender Bodenfeuchte durchführen.

Digitale Aufzeichnungspflicht

Auch wenn diese verschoben wurde, ab 1.1.2027 gilt die digitale Aufzeichnungspflicht für Pflanzenschutzmaßnahmen im Betrieb. Also dranbleiben und informieren, z.B. über „PS-Info“ (www.pflanzenschtz-information.de). Da wird ein kostenfreies Tool angeboten, das alle rechtlichen Vorgaben erfüllt. Ansonsten funktionieren auch die gängigen digitalen landwirtschaftlichen Schlagkarteien.

Nacherntebehandlungen in allen Kulturen

Solange das Blatt noch intakt ist, zur Knospenstärkung die „Handwerker-Mischung“ aus 0,5% Harnstoff + 0,5% Mangansulfat + 2% Bittersalz + 0,15% Solubor eingesetzt werden. Dabei ist 1000l/ha Brüheaufwand auszubringen und es darf kein weiteres Pflanzenschutzmittel zugemischt werden! Zum beginnenden Blattfall bei Kern-/ Steinobst kann Verbesserung des Laubabbaues Harnstoff in einer Aufwandmenge von 10-25 kg/ha eingesetzt werden.