Lage/Vegetation:
Stuttgart, 4. August 2026
Obstbau: Andreas Siegele
Was Hitze und Trockenheit angeht, bewegt sich die derzeitige Witterung stark auf den Jahrhundertsommer 2003 zu, die Flusspegel sind jedenfalls schon mal historisch niedrig! Lokale Schauer und Gewitter sorgten nur vorrübergehend für eine leichte Entspannung der Lage. Oder es kam richtig dick: am 16.7. zog eine Superzelle vom Nord-Elsass, über die Südpfalz, Karlsruhe, Vaihingen/Enz und Backnang und verursachte stellenweise enorme Sturm- und Hagelschäden, nicht nur in Landwirtschaft, Obst- und Weinbau. Das trifft viele Betriebe, die eh schon unter den schwierigen wirtschaftlichen Verhältnissen zu leiden haben, sehr hart. Gerade im Weinbau sind die strukturellen Veränderungen bereits in der ungepflegten Kulturlandschaft zu erkennen. Im Obstbau stockt bei der Hitze die Reife- und Fruchtgrößenentwicklung, manche Zwetschgensorten werden eher notreif, bleiben trocken oder verbräunen im Innern. Durch die warmen Nächte leidet auch die Ausfärbung der Frühäpfeln.
Pflanzenschutz:
Kernobst:
Sollte es mal richtig regnerisch werden, sind Laqerspritzunqen ab etwa drei Wochen vor der Ernte wichtig. Beginnend mit z.B. Merpan 80 VVDG (0,75 kg/ha/mKh, WZ: 21 Tage), Luna exp. (0,25 WZ: 14), Bellis (0,267 WZ:7) oder Switch (0,25 WZ: 3) zum Abschluß. Apfelwicklerbekämpfung (mit z.B. Coragen, Minecto one, Mimic) ebenfalls nicht vernachlässigen. Stippe-Bekämpfung: mit Calciumchlorid, idealerweise solo mit mindestens 15kg/ha, hoher Wassermenge (10001/ha) – aber nur bei Temperaturen unter 250C und bewölktem Wetter.
Zwetschgen:
Sollte es tatsächlich nochmal nass werden und es dann durch das schnelle Fruchtwachstum zu feinen Rissen in der Fruchthaut kommen, sind Monilia-Behandlungen angesagt: Belanty 1,0 (WZ:3) oder Signum (0,25 WZ:7) oder Luna experience (0,167 WZ:7) oder Score (0,075 WZ:14) oder Switch (0,3 WZ:14). Dazu gleich gegen Pflaumenwickler Mospilan (0,125 WZ:14) oder Exirel 0,375//Minecto one 0,0625 (beide WZ:7), dabei wird auch die KEF (bei der derzeitigen Hitze und Trockenheit eigentlich kein Problem…) miterfasst.
Sommerschnitt:
Nach der Ernte können starkwachsende Sauerkirsch- und Pfirsich-Bäume bereits geschnitten werden, aber bitte auch nur bei „angenehmeren Temperaturen“! Dabei wird konsequent auf junges, kräftiges 1-jähriges Holz zurückgeschnitten, abgetragenes und hängendes Holz, sowie 1-jährige Triebe mit vorzeitiger Verzweigung („Besentriebe“) werden entfernt. So wird vom Baum nur noch das Holz versorgt, das im nächsten Jahr Ertrag bringt und damit die Blütenknospenqualität verbessert. Wichtig ist, dass das Laub bis zum Herbst gesund erhalten wird, Spritzungen gegen Schrotschuss, Rost und Sprühflecken sind danach unerlässlich. Zu schwach wachsende oder geschwächte Bäume besser im Winter schneiden, um einen kräftigeren Trieb zu erzielen. Bei Aprikosen das hängende Holz beseitigen bzw. auf Triebe nach oben schneiden. So wird einer Vergreisung des Baumes ( „Aprikosensterben“) vorgebeugt. Auch Pseudomonas- und Monilia-Befallsstellen (sind genügend zu finden!) sauber ausschneiden! In diesem Jahr zeigen sich Infektionen mit dem Scharka-Virus an Früchten und Blatt sehr ausgeprägt – befallene Bäume umgehend roden!
Strauchbeeren:
Himbeeren/Brombeeren:
Gleich nach der Ernte ausschneiden, aber nur die abgetragenen Altruten entfernen, da es sonst zu einem unerwünschten Neuaustrieb aus dem Boden kommen kann – besonders nach Regenfällen. Behandlungen gegen Rutenkrankheiten (z.B. Malvin 1,8 kg/ha + Score 0,4 l/ha oder Folicur 0,8 l/ha) durchführen, dazu auch gleich Netzschwefel 5,0 gegen Milben. Dabei die Rutenbasis gut benetzen. Bei Brombeeren sollten die jungen Ranken aufgebunden werden, damit die Triebspitze, wenn sie Bodenkontakt bekommt, sich dort nicht verwurzeln kann. Die unteren Geiztriebe (bis etwa Hüfthöhe) ganz entfernen, die oberen auf 20-30 cm einkürzen. Nacherntebehandlungen (s. Himbeere) gegen Pero (schwarze Flecken an den Ranken) und Brennfleckenkrankheit (rote langovale Punkte an der Rankenbasis) durchführen. In anfälligen Stachel- und schwarzen Johannisbeeren die Mehltau-/Blattfallkrankheiten-bekämpfung nach der Ernte nicht vergessen!
